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<title>Reichssendung</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Reichssendung</span></h1>
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<p>Die <b>Reichssendung</b> war eine <a href="H%C3%B6rfunksendung" title="Hörfunksendung">Hörfunksendung</a>, die von 1930 bis 1945 über alle Hörfunksender in Deutschland ausgestrahlt wurde. Sie war ein Sprachrohr, mit dem sich die Regierung über den <a href="Rundfunk" title="Rundfunk">Rundfunk</a> an die Bevölkerung wandte, und damit das erste Instrument klarer Einmischung der Politik ins Radioprogramm.
</p><p>Die ersten Übertragungen dieser Art liefen ab ca. 1930 (<a href="Weimarer_Republik" title="Weimarer Republik">Weimarer Republik</a>) meist halbstündlich zwischen 19.30 und 20.00 Uhr. Im <a href="Deutsches_Reich_1933_bis_1945" class="mw-redirect" title="Deutsches Reich 1933 bis 1945">Deutschen Reich unter dem Nationalsozialismus</a> war der Rundfunk komplett <a href="Gleichschaltung" title="Gleichschaltung">gleichgeschaltet</a>, und die Reichssendungen waren, mit wechselnden Sendeplätzen, nur einer von vielen Rundfunkpropagandakanälen für das Regime. Den Reichssendungen gemeinsam war die Zusammenschaltung aller Sender im Reich. Die Technik dafür erprobte man ab 1926 über Fernsprechleitungen, später über ein rundfunkeigenes Kabelsystem.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Inhalte_der_Reichssendung">Inhalte der Reichssendung</h2></div>
<p>Die Inhalte der Reichssendungen waren nicht immer politisch. Oft behandelten sie auch „große Themen der deutschen Kultur“, etwa <a href="Faust._Eine_Trag%C3%B6die." class="mw-redirect" title="Faust. Eine Tragödie.">Goethes Faust</a>, die <a href="Bayreuther_Festspiele" title="Bayreuther Festspiele">Bayreuther Festspiele</a>, <a href="Bachkantate" title="Bachkantate">Bachkantaten</a> aus der <a href="Thomaskirche_(Leipzig)" title="Thomaskirche (Leipzig)">Leipziger Thomaskirche</a>. In Reichssendungen sprach Reichspräsident <a href="Paul_von_Hindenburg" title="Paul von Hindenburg">Paul von Hindenburg</a> zur Bevölkerung, zum Beispiel 1932 anlässlich seines 85. Geburtstags und seiner erneuten Kandidatur.
</p><p>Das <i>Rundfunk Jahrbuch 1933</i> beginnt einen Artikel über die Technik hinter den Reichssendungen mit den Worten:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„‚Achtung, Achtung! Hier sind alle deutschen Sender! Meine Damen und Herren. Sie hören jetzt eine Reichssendung‘, so tönt es im Senderaum der Berliner Funk-Stunde, und zur selben Sekunde strahlen diese Worte über alle deutschen Haupt- und Nebensender hinaus in den Äther. Dann sitzen erwartungsfrohe Menschen in Ost und West, in den Bergen und an der Wasserkante und hören es klingen in den Kopfhörern und Lautsprechern. ‚Reichssendung‘, das muß was ganz besonders Wichtiges und Wertvolles sein! Selbst der anspruchsvolle Hörer mit einem teueren Fernempfänger läßt sich so etwas nicht entgehen und lauscht andächtig auf das, was kommen soll.“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Von 1925 bis 1931 strahlte die <a href="Deutsche_Stunde_in_Bayern" title="Deutsche Stunde in Bayern">Deutsche Stunde in Bayern</a> zwischen 20.15 und 20.45 Uhr <a href="V%C3%B6lkische_Bewegung" title="Völkische Bewegung">völkisch</a> geprägte Vorträge des Geografieprofessors <a href="Karl_Haushofer" title="Karl Haushofer">Karl Haushofer</a> unter dem Titel „Der weltpolitische Monatsbericht“ aus. Die Sendereihe wurde wegen ihres Rechtsradikalismus aus dem Programm genommen. Nach der <a href="Machtergreifung" title="Machtergreifung">Machtergreifung</a> kamen die Nationalsozialisten auf Haushofer zurück und sendeten ab Juni 1933 seinen „weltpolitischen Monatsbericht“ auf dem privilegierten, eben deutschlandweiten Sendeplatz, als Reichssendung.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zahlen_und_Technik">Zahlen und Technik</h2></div>
<p>1932 waren die Reichssendungen fester Bestandteil des Reichsrundfunks und wurden vom größten Teil der 4 Millionen angemeldeten Rundfunkteilnehmer<sup id="cite_ref-wendt_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-wendt-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> gehört. Das <i>Rundfunk Jahrbuch 1933</i> hält dazu folgende Zahlen bereit: An der reichsweiten Übertragung waren
</p>
<ul><li>10 Hauptsender</li>
<li>15 Nebensender</li>
<li>225 Verstärker</li>
<li>auf 25.000 km Rundfunkkabelwegen beteiligt.</li></ul>
<p>Zudem nutzte der Reichsrundfunk für die Zusammenschaltung aller Sender 40.000 km „gewöhnliche Fernsprechleitungen“, also das Telefonnetz. 450 Röhren waren im Einsatz, von der batteriebetriebenen 4-Volt-Röhre bis zur 320 Kilowatt-Senderöhre. Zum Gesamtpersonal des deutschen Rundfunks damals sind keine genauen Zahlen bekannt. Das Jahrbuch gibt an, dass 200 Mitarbeiter im ganzen Reich konkret mit der Übertragung der Reichssendungen befasst waren.
</p><p>Bei der Übertragung der Rede von Hindenburg im März 1932 aus dem Reichspräsidentenpalais war das Funkhaus in der Berliner Wilhelmstraße die Leitstelle für die anderen Sender im Reich. Es gab ein großes Aufgebot von Presse. Unmittelbar vor der <a href="Live%C3%BCbertragung" title="Liveübertragung">Schalte</a> stellten die Techniker beim Prüfen der Übertragungswege fest, dass „ein dicker Ton auf der Leitung“ lag, also ein Brummen. Sie wechselten zweimal die Übertragungswege, der Brummton blieb. Schließlich kam ein Funktechniker auf die Idee, dass die Stromkabel für die Filmkameras streuen konnten. Das Jahrbuch schreibt:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Jetzt heißt es: rasch handeln. Zange her, abgezwickt! Schnell neue Leitungen in größtmöglichstem Abstand von den dicken und dünnen Tonfilmschlangen am Fußboden gezogen. [...] Oh, wie gut war es doch, daß der Herr in Stuttgart [gemeint ist der Moderator] nicht früher zu Ende kommen konnte! Dieser Zeitgewinn hat uns vor einem Reinfall bewahrt. [...] Gerade tönt es aus dem Haus des Rundfunks herüber: alles in Ordnung! Da öffnet sich die Tür: der Herr Reichspräsident erscheint. Kein Laut ist mehr zu hören - und schon erklingt seine tiefe und klangvolle Stimme zu Millionen deutscher Volksgenossen.“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Bis zum Beginn des <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkriegs</a> hatte sich die Zahl der Radiohörer in Deutschland im Vergleich zu 1932 verdreifacht,<sup id="cite_ref-wendt_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-wendt-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> so dass den Hörfunksendungen eine zunehmende Bedeutung für die öffentliche Meinungsbildung zukam. Die Zahl der Radioempfänger, die im Jahr 1941 in Deutschland verfügbar waren, wird auf gut 16 Millionen geschätzt. Deshalb hielten die Machthaber den Rundfunk für „das allermodernste und allerwichtigste Massenbeeinflussungsinstrument, das es überhaupt gibt“.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Rundfunk Jahrbuch 1933.</i> Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft von Verlegern offizieller Funkzeitschriften sowie der <a href="Reichs-Rundfunk-Gesellschaft" title="Reichs-Rundfunk-Gesellschaft">Reichs-Rundfunk-Gesellschaft</a>. Verlag J. S. Preuß, Berlin 1932, S. 77 ff. Das Buch befindet sich in der Bibliothek des <a href="Museum_f%C3%BCr_Kommunikation_Frankfurt" title="Museum für Kommunikation Frankfurt">Museums für Kommunikation Frankfurt</a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Heitger: <i>Vom Zeitzeichen zum politischen Führungsmittel. Entwicklungstendenzen und Strukturen der Nachrichtenprogramme des Rundfunks in der Weimarer Republik 1923–1932.</i> Lit Verlag, 2003, ISBN 3-8258-6853-2, S. 196 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-wendt-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-wendt_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-wendt_3-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Bernd-Jürgen Wendt: <i>Deutschland 1933–1945: Das „Dritte Reich“. Handbuch zur Geschichte</i>. Fackelträger Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7716-2209-3, S. 317.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Jahrbuch S. 81 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Ulrich Wehler: <i>Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten: 1914–1949.</i> C.H. Beck Verlag, München 2003. Zugleich: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, ISBN 978-3-89331-954-1, S. 839 f.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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